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Andreas Molau

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Jo Weigmann Ist Pinocchio

Mit Rosa und Gerry Kauscor – das deutsch-italienische Duo nite-n-day – und Vittorio Ventura treffen wir uns bei Jo Weigmann. Er betreibt die kleinste Kaffeerösterei Deutschlands: Pinocchio.

Samstag um zehn in Wolfenbüttel. Der Himmel strahlt blau über der Stadt. Wenn man von Seeliger aus in Richtung Stadtmarkt geht, grüßen von Weitem schon die Marktstände. Sie sind so so warm angezogen wie ihre Besucher. Vor den frostigen Temperaturen schützen die Marktleute ihr Obst und Gemüse mit kleinen, beheizten Vorzelten. Und auch für sie ist es dann vielleicht nicht mehr ganz so kalt. Dabei hat die Sonne für einen Januartag schon richtig Kraft. Als ich über den Kornmarkt an Balzer vorbei hinter das alte Zollamt gehe, scheint es fast frühlingshaft. Der rote Anstrich des alten Gebäudes wirkt warm. Nur der wintergraue Lavendel erinnert an die Jahreszeit. Obwohl: Sogar der duftet noch nach Sommer, wenn man das trockene Laub zwischen den Fingern zerreibt. Gerry Kauczor hatte die Idee, dass Kulinarisch38 endlich mal über Jo Weigmann berichtet. Wir treffen uns also mit seiner Frau und Gesangspartnerin Rosa und Vittorio Ventura vom Restaurant Katané in Braunschweig zum »Frühschoppen«.

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Kulinarische Hilfe für die Elfen in Wolfsburg

Ich treffe mich mit Thorsten Nowak von Jailhouse Cooking. Der unterstützt mit seinen Barbecuefreunden das Projekt Wolfsburger Elfen helfen.

Nach dem Gespräch mit Thorsten Nowak schaue ich auf die Seite der Wolfsburger Elfen. Da blickt man auf einen Brutkasten. Unendlich zart und klein liegen da zwei Frühchen. Wer selbst schon ein Neugeborenes auf dem Arm tragen durfte, der weiß, wie leicht leicht sein kann. Bei den »Sternenkindern, Frühchen und kleinen Kämpfern«, wie es auf der Internetseite heißt, muss leicht noch leichter sein. So zart vielleicht, wie man sich Sternenstaub vorstellt. Und auf dieses bewegende Thema bringt mich Thorsten. Einen gefühlten Kopf größer als ich. Seine Stimme ist ruhig wie immer. Freundlich, geduldig. Während er sich um seinen Sohn spielend mit der einen Hand kümmert, hält die andere, mir zugewandt, ein Fläschchen Bionade, und er erzählt mir von diesem Projekt. Die Barbecue-Szene, mit der er mit seinem Projekt Jailhouse Cooking verbandelt ist, möchte den Wolfsburger Elfen unter die Arme greifen. »Da kann man mal sehen, was eine kulinarische Gruppe so anrichten kann«, schmunzelt der Vater und Griller aus Passion. Gerade noch hatte er das Kindergartenprojekt in Wittmar mit seinen kulinarischen Genüssen unterstützt. Nun sollen die Elfen dran kommen.

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Nael El Nahawi Steht Hinter Roco-Druck

Hinter Biografien zu schauen, ist eine spannende Sache. Nichts bringt einen weiter als das konkrete Leben. Besonders begeistert war ich von einem Treffen mit  Nael el Nahawi. Er ist ein Unternehmer in Wolfenbüttel, der sich nicht nur mit seinem Unternehmen beschäftigt. Ihm liegt auch das Große und Ganze am Herzen.

Ich mochte das letzte Mal hier gewesen sein, als ich ihn gelesen hatte. Den Steppenwolf von Herrmann Hesse. Beim ungewöhnlichen Ende eines langen Gespräches sprechen wir kurz über diesen Roman. Gegen Mittag war ich mit Nael el Nahawi verabredet gewesen. Beim Kamingespräch mit Frank Oesterhelweg hatte ich ihn kennengelernt. Seine Ausführungen waren so spannend, dass meine Neugierde geweckt wurde. Wer steckt hinter dieser Unternehmerpersönlichkeit, die vor vielen Jahren den alt eingesessenen Wolfenbüttler Druckereibetrieb übernommen hatte?

Über den Tellerrand

Dass Nahawi den Betrieb durch gefährliches Wasser manövriert und den Standort erhalten hat, ist Beweis, dass er eine erfolgreiche Unternehmerpersönlichkeit in der Lessingstadt darstellt. Was er zum Thema Volkswirtschaft und Sozialstaat bei der Gesprächsrunde im Forsthaus ausführte, zeigt, dass wir hier eine Persönlichkeit haben, die über ihren Tellerrand hinaus blickt und der es lohnt zuzuhören. Das Ganze war natürlich in der Kürze der Talkrunde erst einmal ein Eindruck. Und spätestens beim Steppenwolf, von dem er am Ende des Gespräches berichtet, verdichtete sich dieser Eindruck.

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Mehr Vertrauen – weniger Angst

Nach dem »Super-Wahlsonntag« sorgt sich »die Republik«. Das tut sie gern. »German Angst« ist so präsent wie eh und je. Sie sorgt sich vor einer Radikalisierung. Vor dem Auseinanderbrechen der gewohnten politischen Ordnung. Und tatsächlich kommt es einem so vor, als sei gar nicht die Sorge ausschlaggebend. Mehr klingt es so, als wolle man den Zustand lustvoll herbeireden, vor dem man doch eigentlich warnt. Gleich nach der redundanten Berichterstattung über die Ergebnisse des Votums in drei Bundesländern diskutierte man bei »Anne Will«. Ralf Stegner repräsentierte exemplarisch den Zustand der politischen Diskussionskultur. Er redete sich, nicht zum ersten mal bei Talkshows, in Rage und attackierte seine Kontrahentin Beatrix von Storch mit nachhaltiger Sturheit und Aggressivität, dass man sich nur die Augen reiben konnte. Maßlosigkeit ist das Gegenteil von politischer Mitte. Stegner behauptete locker, Beatrix von Storch und die AfD wollten (aktiv) auf Menschen schießen. Ja, auf Frauen und Kinder. Wenn die Partei der Juristin an »der Macht« sei, müsse man erwarten, dass sie erst die Meinungsfreiheit und dann Artikel 1, den Schutz der Menschenwürde abschaffen würde. Viel mehr agitatorische Luft nach oben ist nicht mehr möglich.

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»ikdrawingz« – ein Blogprojekt für eine brüderliche Welt

Der Name »ikdrawingz« geht nicht sofort ins Ohr. Wenn man aber einmal hinter diese Marke gesehen hat, jedoch ins Herz. Das Blogprojekt ist ein beredtes Symbol dafür, was das Internet mit all seinen Möglichkeiten bietet. Wie alle Instrumente der menschlichen Kultur hat auch das Internet janusköpfig beide Möglichkeiten. Man kann Hass verbreiten. Oder Kultur und Integration. »Alle Menschen werden Brüder, wo Dein sanfter Flügel weilt«. Das war ein Traum von Friedrich Schiller, der von keinem geringerem als Ludwig van Beethoven in grandiose Töne gesetzt wurde. Es erinnert an einen alten Traum der Menschheit. Gräben zu überwinden. Barmherzigkeit und Brüderlichkeit zu leben. Ismail Kayapınar lebt diesen Traum. Er ist es, der »ikdrawingz« ins Leben gerufen hat. Ursprünglich ein Instragramm-Projekt, denn der junge Künstler und Blogger kommt von der Zeichnung und fing dann ab 2011 an zu schreiben. Seit 2015 nun existiert »ikdrawingz« – Literatur für Rebellen und Weise. Und für Neugierige, Träumer und Realisten, möchte man hinzufügen. Ismail Kayapınar versucht mit dem Leser zusammen, die Welt zu verstehen. Er ist vom Beobachten der Welt bewegt und überträgt diese Bewegung auf die Leserinnen und Leser.

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Integration statt Hasspropaganda

Wir befinden uns in einer Situation dramatischer Radikalisierung. Die Gräben durch die Gesellschaft werden immer tiefer. Die AfD und der Umgang mit ihr ist dafür ein Indikator. Auf der einen Seite gibt es eine immer größere Anzahl von Bürgern, die der Par-tei um Frauke Petry ihre Stimmen geben werden. Auf der anderen Seite wird die Zahl all derer größer, die der AfD und ihren Anhänger zutiefst feindlich gegenüber eingestellt sind. Im Wettbewerb der Skandalisierung – die einzige Chance, um in den Medien wahrgenommen zu werden –, überbieten sich die Kontrahenten tagtäglich. Da wird auf der einen Seite prognostiziert, dass der Schusswaffengebrauch an den Grenzen, die Ultima Ratio sei. Daraus wird in den Medien ein »Schießbefehl«. Die AfD lebt als populistische Partei von der Angst der Menschen. Ihre Kritiker, die den Staatsstreich vorhersagen, aber ebenso. Weiterlesen

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Auf der Suche nach dem besonderen Wein

Ich traf den bekannten Sommelier Jürgen Giesel in der Wolfenbüttler Rösterei Treccino und schwärmte mit ihm über Wein, Geschmack, Aromen und Strukturen.

Gutes Essen und ein entsprechender Wein. Das gehört einfach zusammen. Und wenn man auch Menschen irgendwie verstehen kann, die dem Trinken alkoholischer Getränke aus gesundheitlichen Gründen abgeschworen haben: Niemals mehr die ergänzenden Aromen eines Glases Wein neben denen zu spüren, die sich aus dem Essen heraus entfalten. Das möchte man sich nicht wirklich vorstellen. Umso gespannter war ich auf einen Interviewpartner, der als Koryphäe seiner Zunft gilt. Jürgen Giesel ist nicht nur irgendein Sommelier, sondern einer, der Preise und Ehrungen abgeräumt hat  und, der vor allem in jungen Jahren fast alles erreicht hat, was man erreichen kann. Wir treffen uns im Treccino in Wolfenbüttel. Es sind zwei neue Kaffeesorten, Kolumbianer, da und da ist man natürlich auch sofort neugierig, was ein geschulter Gaumen so herausschmeckt. Sommelier oder Berufssportler. Nicht häufig wird man diese beiden Möglichkeiten in einer Biografie antreffen. Für Jürgen Giesel standen sie vor vielen Jahren als Option. Und wenn man ihn heute über das Thema Wein leidenschaftlich sprechen hört, man ahnt, dass er das Bällewerfen auf einen Korb genauso ehrgeizig betrieben hätte. Wenn es denn dazu gekommen wäre.

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Asisi Panometer Dresden - Eröffnung "Dresden 1945" am 23.01.2015 © asisi

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Yadegar Asisi: „Man darf nicht Richter sein“

Ich hatte erst gar nicht den Namen verstanden. Im Auto ist das immer so eine Sache. Ab 100 Stundenkilometer werden Wortbeiträge bei NDR-Kultur oder Deutschlandradio zu einem Aufmerksamkeitstraining. Jedenfalls in den Autos, die ich fahre. Und schließlich ist es bei fremden Namen nicht leicht für mein Hörverständnis. Das ist auch bei Kino- oder Buchbesprechungen so. Wenn man nichts zu Schreiben zur Hand hat, kann die Titelsuche problematisch werden. Ein Lob auf Google. Hier werden ähnliche Lautungen beim Suchen honoriert. Zumindest, wenn sie mit den entsprechenden Begriffen gepaart werden. Zuerst wollte ich schon wegschalten. Der Name klang fremd. Vielleicht arabisch. Ich hatte ihn noch nie gehört. Ein Interview über vierzig Minuten, bei dem der Befragte sich Musiktitel wünschen darf. Den Anfang hatte ich verpasst. Es ist ja schwierig, wenn man etwas über Kunst nur hört. Es sei denn, es handelt sich um Musik. Und moderne Kunst. Selten, dass die mich vom Hocker reißt. Und dennoch.

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8gegen88 in der FH Dortmund

8gegen88 klingt erst einmal ein wenig reißerisch. Zumal in einer Fachhochschule. In Dortmund hatte der Fachbereich 8 der FH einen Aktionstag und wollte Stimmungslagen am »rechten Rand« erkunden. 88 ist ein Szenecode im rechten Bereich, der aber weithin überschätzt wird. Ein Teil dieses »rechten Randes« wird sich über den Hitlerismus definieren – 88 soll für »Heil Hitler« stehen. Ein anderer nicht. Ich konnte einen Teil dieses Aktionstages erleben. Im Anschluss an den Vortrag von Olaf Sundermeyer, der nach seiner Dokumentation »Dunkles Deutschland« über rechte Allianzen bei der Ablehnung des Flüchtlingszuzugs seine Erkenntnisse darlegte, durfte ich mit den Studentinnen und Studenten über die »perspektiven des Ein- und Ausstiegs reden. Über Fragen Radikalisierung und Deradikalisierung.

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Willkommenskultur – die brauchen wir dringend

Es wird gerade viel von Willkommenskultur gesprochen. Die Menschen sind weltweit zu Millionen auf der Flucht, weil ihnen die Heimat zerstört wird, weil Krieg und Korruption herrschen (an denen immer jemand verdient) und auch nach Europa und Deutschland kommen die Menschen. Neben Angst und Fremdenfeindlichkeit gibt es Offenheit. Die Politik fordert sie ein und Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig plant 12,5 Millionen Euro, um mit einem Programm »Willkommen bei Freunden« eine positive Stimmung zu schaffen. Aber muss man sich wirklich wundern, dass in der breiten Bevölkerung Willkommenskultur nur wenig ausgeprägt ist? In welchem Umfeld bewegt sich die Flüchtlingsproblematik? Wie sieht die Gesellschaft aus? Denn wenn woanders Willkommenskultur gepflegt wird, könnte man das auch in der aktuellen Krise erwarten. So richtig glauben kann man daran aber nicht.

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